Drei Kreuze für zwei Erlanger Bäder – SPD informiert über Vor- und Nachteile der kommunalen und privaten Trägerschaft

Das Podium der Veranstaltung

Dass es für die Erlanger eine wichtige Frage ist, wie es mit ihren Bädern zukünftig weiter gehen wird, wurde am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Saal der Spielvereinigung deutlich. Die SPD hatte die Bürger der Stadt unter dem Motto:„Mein Bad gehört mir!“ eingeladen, um ihre Vorstellungen deutlich zu machen und darüber zu diskutieren.

Rund 130 Interessierte waren gekommen und hörten erst einmal, warum sich die Sozialdemokraten dafür einsetzen, die Bäder in kommunaler Verantwortung weiter zu betreiben: „Die Stadt trägt letztlich selbst bei einem privaten Investor das größere Risiko, weil etwaige Verluste letztlich bei der Kommune hängen bleiben, da die Bäder ja gebraucht werden. Mögliche Gewinne würden aber vom der Privatwirtschaft eingesteckt“, betonte Stadtratsmitglied Florian Janik gegenüber dem FT. Außerdem sorge man sich sehr um sozialverträgliche Eintrittspreise und ausreichende Öffnungszeiten für den Breitensport.

So sah das auch Till Richter, der für die Bürgerinitiative „Besorgte Bürger“ auf dem Podium Platz nahm und sich gegen die „geplante Privatisierung“ engagierte. Alternativ machte er sich dafür stark, die Badestätten „entweder im Eigenbetrieb der Stadt weiter zu betreiben oder in die Erlanger Stadtwerke als gemeinnützige GmbH zu integrieren“.

Die geplante Übergabe des Röthelheimbades an einen privaten Investor käme die Stadt um ein Vielfaches teurer, als das Westbad und das Röthelheimbad in kommunaler Regie zu sanieren und führen, weil jährlich ein Zuschuss von 1,5 Millionen Euro zu zahlen wäre, so Richter.

Der Kämmerer der Stadt Hersbruck, Andreas Grund, berichtete aus eigener Erfahrung: Im Jahr 2004 wurde in seinem Heimatort die „Frankenalbtherme“ eröffnet. Auch hier wurde lange Zeit darüber nachgedacht, auf ein öffentlich-privates Partnerschaftsmodell zu setzen. Dann aber habe man nur einen professionellen Betreiber geholt, der aber auf Rechnung der Stadt arbeite. Damit könne die Stadt auch den Rahmen für die Preisgestaltung weiter vorgeben. „Unsere Sozialtarife konnten beibehalten werden.“

Der Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft von Rudolstadt sagte, er wolle sich „von keiner politischen Seite vereinnahmen lassen“, betonte aber, dass es „kein Naturgesetz sei, dass es teurer werde, wenn Kommunen bauen, als wenn Private bauen.“ Er war verantwortlich gewesen für den Bau eines Freizeitbades in der thüringischen Stadt.

Nach Ende der Diskussion auf dem Podium hatten die Bürger die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Dr. Weigand beispielsweise, der sich als „Schwimmer“ vorstellte, sorgte sich um den Stellenwert, den die Bedürfnisse der Schwimmer zukünftig haben werden, wenn das Röthelheimbad künftig privat geführt werden sollte. „Was ist dann mit den Öffnungszeiten? Private Spaßbäder öffnen normalerweise doch etwa erst ab zehn Uhr.“

Eine sehr emotionale Angelegenheit scheint die Frage rund um die „Erlanger Bäder“ für die Betroffenen zu sein. Am 23. Januar haben sie die Möglichkeit, ihre Stimme beim Bürgerentscheid abzugeben. Drei Kreuze für jeden.

(Auszüge aus einem Artikel aus dem Fränkischen Tag vom 15.1.05 von Michael Zimmermann)